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Justizia fährt mit

"Wir leben in einer Gesellschaft, in der man nicht alles muss."

Der Automobilrechtsexperte Kai Ullrick Hopp über Sinn und Unsinn der Werkstattbindung bei Garantieverträgen und Sachmängelhaftung.

Herr Professor Hopp, wohin bringen Sie Ihr Auto eigentlich zur Wartung?
Ganz ehrlich? Das weiß ich noch gar nicht. Mein Auto ist erst fünf Monate alt. Aber meine Motorräder kommen immer in eine freie Werkstatt hier in Oldenburg. Da kenne ich die Mitarbeiter, weiß, dass sie gute Arbeit leisten. Vertrauen sollte bei der Wahl der Werkstatt den Ausschlag geben.

Vertrauen ist gut, Panikmache ist besser – zumindest sehen viele Vertragswerkstätten das so. Immer wieder hört man von markengebundenen Betrieben, dass man als Kunde mit dem Neuwagen zur Wartung in die Vertragswerkstatt muss. 
Weil man sonst seine Garantie verliert? Hört man oft, ist aber nichts dran. Zum Glück leben wir in einer Gesellschaft, in der man nicht alles muss. Der Fahrzeughersteller darf mir nicht vorschreiben, dass ich meinen Wagen in seinem Werkstattnetz zu warten habe. Deshalb kann der Hersteller auch nicht die Garantie an diese Bedingung koppeln. Sie haben als Kunde also das Recht, Ihre Wartung dort zu machen, wo Sie wollen.

Heißt also: Bei meinem Neuwagen mit sieben Jahren Durchrostungs-Garantie, der nach drei Jahren durchgerostet ist … 
… ist es egal, ob Sie ihn in der freien oder in der Vertragswerkstatt nach den Richtlinien des Herstellers gewartet haben – die Garantie zieht in beiden Fällen.

Stellen sich die Hersteller da nicht quer?
Das wird ihnen kaum etwas bringen, denn letztendlich zählt: Die Erfüllung von garantierten Leistungen darf nicht an eine Werkstattbindung gekoppelt sein.

Außer der freiwilligen Garantie der Autohersteller gibt es noch die Sachmängelhaftung. Leidet sie darunter, wenn ich nicht in die Vertragswerkstatt gehe?
Die Sachmängelhaftung – oft auch Gewährleistung genannt – leidet noch weniger darunter. Sie ist gesetzlich geregelt, im Gegensatz zur Garantie, die vertraglich geregelt ist. Normalerweise gilt die Sachmängelhaftung bei einem von Privatpersonen beim Händler gekauften Neuwagen zwei Jahre. Wichtig wird sie, wenn der Käufer mangelhafte Ware gekauft hat – oft merkt er das beim Kauf ja gar nicht, sondern erst viel später. Ein Beispiel: Der Motor im Neuwagen hat beim Kauf schon einen Mangel – zum Motorschaden kommt es allerdings erst nach einem halben Jahr. Dann hat der Käufer bestimmte Rechtsansprüche.

Die da wären … 
Zuerst kann – und muss – er auf Nacherfüllung pochen. Klappt das nicht, kann der Kunde vom Vertrag zurücktreten oder auf Kaufpreisminderung bestehen. Außerdem hat er ein Recht auf Schadenersatz. Hat er Geld in die Reparatur gesteckt, bekommt er das ersetzt.

Und dafür haftet der Autohersteller?
Nein, das ist auch eine weitverbreitete Legende. Der Hersteller hat mit der Sachmängelhaftung überhaupt nichts zu tun. Es haftet immer nur derjenige, bei dem ich das Auto gekauft habe. Soweit ich weiß, gibt es nur eine Fahrzeugmarke, bei der der Hersteller auch der Verkäufer ist – bei allen anderen ist es der Händler. Das steht aber immer im Kaufvertrag.

Aber wäre die Sachmängelhaftung beim Hersteller nicht viel besser aufgehoben? Der ist ja der Hersteller des mangelhaften Produkts.
Im Gegenteil: Dass der Händler haftet, ist ein Vorteil für den Kunden. Ein Beispiel: Sie kaufen einen Neuwagen, dessen Getriebe nach zwei Wochen den Geist aufgibt. Stellen Sie sich vor, sie müssten jetzt den Hersteller in Südkorea kontaktieren, weil der Verkäufer sagt: „Mit dem Problem habe ich nichts zu tun.“ Das würde ja ewig dauern. So bringen Sie den Wagen einfach zum Händler zurück und nehmen ihn in die Pflicht.

Ist es wirklich so einfach? Ab zum Händler und reklamieren?
Leider ist es so, dass viele Händler heute gar nicht wissen, dass sie selbst für Sachmängel haften. Im Zweifel muss der Kunde da schon mit dem Anwalt kommen, um sein Recht durchzusetzen. Der Händler hat dann gar keine Handhabe – und bekommt zusätzlich noch die Anwaltskosten aufgebrummt.

Muss ich als Kunde eigentlich nachweisen, dass der Mangel schon beim Kauf bestand?
Kommt darauf an, wann Sie den Mangel bemerken. Im ersten halben Jahr nach dem Kauf muss der Händler nachweisen, dass er Ihnen das Auto ohne Mangel übergeben hat. Danach muss der Kunde den Nachweis führen. So ist es zumindest, wenn der Käufer Verbraucher ist. Für Unternehmerkunden sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Na ja, manchmal ist man ja auch selbst schuld, wenn der eigene Wagen nicht mehr ganz mangelfrei ist – beispielsweise nach einem Unfall. Kann mir meine Versicherung eine Werkstatt vorschreiben, in der ich mein Auto reparieren lassen muss?
Es gibt Kasko-Verträge mit Werkstattbindung. Man spricht dann von sogenannten Select-Verträgen. Aber auch hier gilt grundsätzlich: Der Kunde muss nicht ins Werkstattnetz der Versicherung zur Reparatur. Allerdings hat er in diesem Fall mit Nachteilen zu rechnen, die im Vertrag festgeschrieben sind. Oft mindert die Versicherung die Leistungen um zehn bis fünfzehn Prozent.

Und wenn mir jemand an den Karren fährt? Sollte ich dann nicht einfach bei der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers anrufen?
Bloß nicht. Die Gegnerversicherung schickt dann meistens eigene Sachverständige und versucht, eine eigene Werkstatt mit der Reparatur zu betrauen – um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Das führt für den Geschädigten oft zu schlechteren Ergebnissen.

Der Rat lautet also …
… im Zweifel immer in der Werkstatt des Vertrauens nachfragen und juristischen Rat einholen.

Herr Professor Hopp, wir danken für das Gespräch.







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